Hungrig auf Neues

Die Trilogie vom Wirsing, Episode I

Wirsing gehört meiner Meinung nach zu einem der am meisten unterschätzten Gemüse. Warum eigentlich? Vielleicht, weil er nicht sonderlich hübsch anzusehen ist? Oder weil Kohl und Kohlartige generell einfach nicht im Ruf stehen, besonders edel und damit ein Teil der Haute Cuisine zu sein? Das mag vielleicht sogar sein (muss aber nicht), ist aber vor allen Dingen erstmal eines: völlig egal. Einfache und auch rustikale Gerichte können wirklich toll sein, wenn sie denn gut gemacht sind. Abgesehen davon ist gerade halt auch Saison für Wintergemüse. Ich habe mich neulich von meinem guten Freund Torsten inspirieren lassen und – auch weil das Ding nun einmal verdammt groß ist – drei Tage hintereinander von einem Wirsingkopf gekocht. Hier also der erste Teil dieser Trilogie: ein Wirsing-Kartoffel-Auflauf.

Für zwei Personen
– 6 große Wirsingblätter
– 3-4 größere festkochende Kartoffeln
– 200 ml Kochsahne
– 3 EL Ghee
– 80-100 g Räuchertofu
– 100 g geriebener Emmentaler
– Meersalz
– schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
– 1/2 TL Kümmel, ganz
– 1/2 Muskatnuss, frisch gerieben

Zunächst einmal werden die Kartoffeln in relativ dicke Scheiben geschnibbelt oder gehobelt und – nach und nach – für wenige Minuten in einer Pfanne mit einem EL Ghee leicht angebraten, aber natürlich nicht wirklich zu fertigen Bratkartoffeln verarbeiten. Nacheinander deshalb, weil die in Scheiben geschnittenen Kartoffeln sonst blöd aneinanderkleben und nicht gleichmäßig anbraten. Wer übrigens kein Ghee zu Hause hat und auch nicht weiß, wie man diese braune Butter herstellt, findet hier ein Video der alten Kräuterhexe (nett gemeint!) Schuhbeck dazu. Zur Not gehen natürlich auch Öl, Butter oder Butterschmalz. Aber ich finde schon, dass es sich wirklich lohnt und dem Gericht auch eine sehr runde Note verleiht. Abgesehen davon kann man Ghee über sehr lange Zeit im Kühlschrank verwahren und für viele andere Gerichte z.B. der indischen Küche nutzen. Die angebratenen Kartoffeln zur Seite stellen, die Wirsingblätter in mittelgroße Stücke schneiden – dabei den dicken Strunk in der Mitte teilweise entfernen – und ebenfalls für ein paar Minuten in Ghee anbraten.

Nun wird, beginnend mit den Kartoffeln, das ganze in einer Auflaufform geschichtet. Das Einfetten der Form kann man sich durchaus sparen; sowohl Kartoffeln wie auch der Wirsing sind ja schon gut geölt. Dabei kommt jeweils auf die Wirsingschicht etwas Kümmel und der in dünne Scheiben geschnittene Räuchertofu. Mit der dritten Schicht Kartoffeln ist dann alles fertig verteilt. Nun fehlt noch die Sahne, welche mit reichlich Salz, etwas schwarzem Pfeffer und viel Muskatnuss gewürzt, kurz erhitzt wird. Diese wird dann gleichmäßig über das Gemüse gegossen und alles schließlich mit dem geriebenen Emmentaler (oder wahlweise einem anderen Käse) bestreut. Ab in den Ofen bei maximal 180° und nach ca. 30 Minuten, wenn der Käse schön goldbraun ist, kann gegessen werden. Der Auflauf sollte aber noch kurz ruhen dürfen, nachdem er aus dem Ofen geholt wurde. Ein kühles Bier oder ein schöner kräftiger Weißwein passen hervorragend dazu, aber es geht natürlich auch ohne Alkohol. Guten Appetit!

Ach ja, und Fortsetzung folgt… 😉

2 Kommentare

    • Peter sagt

      Geht schon, ist aber wirklich nicht so gut! Räuchertofu wird sehr unterschätzt, vor allem von der Fleischfraktion… 😉

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