Hungrig auf Neues

Tajine végétarienne

Jeder, der schon einmal in Marokko war, kennt dieses Gericht und natürlich die typische Form, in der es gemacht und gereicht wird. Tajines sind eigentlich allgegenwärtig. Sie begegnen einem mittags und abends in jedem Dorf und jeder Stadt. Auch wenn man im Auto sitzt und über Land fährt, sieht man die Restaurantbesitzer am Straßenrand die Deckel der Tajineform anheben, damit man sehen kann, was drin ist und dass es fertig ist. Kurz: es ist, denke ich, das typischste marokkanische Nationalgericht. Allerdings gibt es je nach Region, Wohlstand und Vorliebe eine ganze Reihe möglicher Varianten dafür. Mit Hähnchen oder Fleisch, mit jeweils unterschiedlichen Gemüsen und anderen kleinen Feinheiten kommt die Tajine daher. Die hier vorgestellte Tajine végétarienne ist nicht nach irgendeinem bestimmten Originalrezept aus Marokko entstanden, sondern einfach so, wie sie uns am besten schmeckt. Und eben vegetarisch, was auch eher untypisch ist, außer für Touristen. 😉

Tajineformen kann man, sofern man nicht die Gelegenheit hatte, sich eine aus Marokko mitzubringen, mittlerweile auch gut in Deutschland kaufen, und sei es im Internet. Es geht natürlich irgendwie auch ohne bzw. in einem Römertopf, aber allein der Optik wegen wäre es dadurch einfach keine Tajine. Woher eigentlich diese typische Form kommt, weiß ich nicht nachweislich… schaut man sich aber viele der einzelnstehenden Berge in den Wüsten Südmarokkos mal genauer an, könnte man eine Idee bekommen…

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Eine Tajine für 2 Personen
– 2-3 mittelgroße Kartoffeln
– 2 große Karotten
– 1 mittelgroße Zucchini
– 2-3 kleine Tomaten, gehäutet
– 1 große rote Zwiebel, gehackt
– 2-3 kleine Schalotten
– 1 Knoblauchzehe
– ein paar getrocknete Pflaumen
– ein paar getrocknete Aprikosen
– gutes Arganöl
– 1/2 TL Chilipulver (oder weniger)
– 3/4 TL Koriander, gemahlen
– 3/4 TL Kurkuma
– 1 gestrichener TL Kreuzkümmel
– 1 gestrichener TL Salz
– etwas frischer Koriander
– Pita- oder Fladenbrot

Die Zubereitung ist eigentlich recht einfach und auch die Zutaten sind weder besonders exotisch noch schwer zu bekommen, mit einer Ausnahme: Arganöl. Es ist zwar durchaus schon in Deutschland angekommen und man kann es sogar in manchem gut sortierten Supermarkt bekommen, aber es ist in jedem Fall sehr teuer und welche Qualität man erhält, ist vielleicht auch fraglich. Arganbäume sind nur im Südwesten Marokkos und im Südosten Algeriens heimisch und der Prozess von der Ernte bis hin zum Öl ist extrem arbeitsaufwändig. Aber es lohnt sich, denn der leicht nussige Geschmack ist eben auch einzigartig. Wer die Möglichkeit hat, es einmal in Marokko zu kaufen, sollte sich gut umschauen und es am besten in einer der Frauenkooperativen kaufen, die man immer wieder mal im Süden des Landes sieht. Wer partout kein Argannöl bekommt, kann natürlich auch Olivenöl nehmen. Allerdings, sorry, der letzte Kick des typischen Geschmacks wird damit leider fehlen…

So, jetzt geht es aber endlich los. Zunächst wird die Tajineform für eine halbe Stunde oder so gewässert, also einfach ins Wasser gelegt. In der Zwischenzeit kann man die Zutaten vorbereiten. Die Kartoffeln werden geschält und längs geviertelt. Die Karotten schälen und ebenfalls in relativ längliche Stücke halbieren oder vierteln, je nach Dicke. Schließlich wird auch die ungeschälte Zucchini in ebensolche Stücke geteilt. Insgesamt sollte das Gemüse in jedem Fall schon deutlich größer als mundgerecht geschnitten sein. Die Tomaten mit kochenden Wasser übergießen, kurz stehen lassen und häuten. Anschließend klein schneiden. Ob man dabei die Kerne und das Innere der Tomaten wegtut, sei jedem selbst überlassen. Schließlich noch eine recht große rote Zwiebel (oder entsprechend mehr kleinere) in feine Würfel schneiden und die Knoblauchzehe hacken. Pflaumen, Aprikosen, das Öl und die Gewürze bereitstellen, fertig sind die Vorbereitungen.

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Die Tajine jetzt auf eine Herdplatte (bei Induktionsherd in den Backofen) oder – im Sommer viel schöner und auch authentischer – auf den Rost eines Grills mit glühender Holzkohle stellen. Zwei Esslöffel Arganöl hineingeben und darin den Kreuzkümmel eine Minute anrösten. Anschließend die Zwiebeln für ein paar Minuten glasig anschwitzen, den Knoblauch und die gehackten Tomatenstücke dazugeben, verrühren und nochmals fünf Minuten weiter braten lassen.

Nun wird das restliche Gemüse und das Obst in der Tajineform gestapelt. Wie und wie kunstvoll man das macht, kann jeder selbst entscheiden. Ich tue die Kartoffeln immer in die Mitte und verteile Karotten, Zucchini, Schalotten sowie Pflaumen und Aprikosen einigermaßen hübsch darüber. Wichtig ist nur, dass der Deckel nach dem Stapeln noch gut draufpasst. Nun noch alle restlichen Gewürze und das Salz über das Gemüse streuen und mit weiteren zwei bis drei EL Arganöl übergießen. Den Deckel drauf und auf dem Grill für ca. 30 Minuten garen. Zwischendurch sollte man zweimal den Deckel lüften und mit einem Löffel die unten angesammelte Flüssigkeit ein paar mal über das Gemüse gießen. Vorsicht, das Ganze ist echt heiß! Am Ende vielleicht ein Stück der Karotten probieren. Sind diese noch leicht bissfest, ist alles andere auch gar. Falls nicht, eben noch ein paar Minuten warten.

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Nach dem Ende der Garzeit die Tajineform (wieder Vorsicht, schweineheiß!) auf eine feuerfeste Unterlage auf den Tisch stellen und ggfs. mit ein paar Oliven und gutem Pita- oder Fladenbrot servieren. Wer mag, kann noch etwas gehackten Koriander drüberstreuen.

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Und zum Schluss nicht vergessen, die köstliche Soße bzw. das Öl aus der Tajineform mit dem Brot aufzutunken. 😉

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صادق, شهية طيبة / bon appétit!

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